Prolog
Dichter
Nebel wallt an diesem trüben Novemberabend über dem alten Landgut. Die Sonne
würde in ein paar Minuten ganz untergehen, wenn man sie überhaupt gesehen
hätte. Der Nebel ist so dicht, dass er die Geräusche dämpft, die Luft ist regungslos.
Schritte knarzen durch die Nacht, als jemand den Kiesweg zum Schweinestall schreitet.
Eine Tür quietscht leise. Als sie sich öffnet, wird sie sofort wieder
geschlossen. Ein Streichholz flammt auf und eine Kerze wird entzündet. Ein
Päckchen raschelt, woraufhin einige Schweine erwartungsvoll grunzen. Doch auch
dieses Geräusch verstummt bald wieder. Im flackernden Kerzenschein sind einige
neugierige Schweineköpfe zu sehen. Wieder Schritte. Kurz darauf noch einmal ein
kurzes markerschütterndes Quieken, dann wieder Stille. Die Kerze verlischt, die
Tür wird wieder geöffnet und absolut unauffällige Schritte entfernen sich
wieder vom Schweinestall. Nach kurzer Zeit verklingen auch sie im Nebel.
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I
Hercule
Poirot saß mit geschlossenen Augen auf seinem Schreibtischstuhl in seinem Büro
und hörte mir zu, während ich ihm die neusten Meldungen aus der Times vorlas.
Schon lange hatte er keinen interessanten Fall mehr bearbeiten dürfen, und ich
machte mir Sorgen um ihn. Seine kleinen grauen Zellen waren bestimmt
hoffnungslos unterfordert und obwohl er es nie zugeben würde, litt er sehr
darunter. Ich versuchte ihn aufzuheitern, indem ich die interessantesten
Verbrechen des Tages vorlas. Natürlich hoffte ich, dass er sich genug für eins
dieser Verbrechen begeistern könnte, und so zu alter Form zurück finden würde.
„Hier
Poirot, ein Hafenarbeiter ist tot in der Themse gefunden worden. Sein Kopf wies eine furchtbare Verletzung auf, sodass man erst dachte, er wäre dadurch
gestorben, bis man den Messerstich im Brustkorb bemerkte. Sieht ganz nach einem
heimtückischen Mord aus! Was halten Sie davon?“ „Nein, Hastings, das ist ein so
abgedroschenes Verbrechen. Es enthält kein Element, was einen Poirot
interessiert. Mit so etwas gebe ich
mich nicht ab.“
Seine Eitelkeit war in Situationen wie dieser immer besonders schlimm. Aber ich betrachtete es als sportliche Herausforderung, ihn wieder in Form zu kriegen.
„Im Syon House sind Juwelen gestohlen worden. Sie sollen einen Wert von über 5000 Pfund haben. Der Nachtwächter scheint betäubt worden zu sein, der Dieb hat aber nur eine einzige Kette gestohlen. Sie war mit 99 Brillianten besetzt. Aber es war bei weitem nicht das wertvollste Stück der Sammlung. Seltsam, nicht?“
Seine Eitelkeit war in Situationen wie dieser immer besonders schlimm. Aber ich betrachtete es als sportliche Herausforderung, ihn wieder in Form zu kriegen.
„Im Syon House sind Juwelen gestohlen worden. Sie sollen einen Wert von über 5000 Pfund haben. Der Nachtwächter scheint betäubt worden zu sein, der Dieb hat aber nur eine einzige Kette gestohlen. Sie war mit 99 Brillianten besetzt. Aber es war bei weitem nicht das wertvollste Stück der Sammlung. Seltsam, nicht?“
„Finden
Sie?“ antwortete Poirot lakonisch. „Juwelen werden alle Nase lang gestohlen und
meistens tauchen sie ganz schnell wieder auf, wenn der Dieb versucht, das
wertvolle Geschmeide zu Geld zu machen. Wo könnte er sie schon loswerden? Die
Juweliere wissen schon von wem sie Brillanten beziehen können. Ausgenommen die
schwarzen Schafe, aber die hat Poirot hier in London schon alle überführt. Ich
hoffe nur, dieser Dieb ist etwas schlauer!“
„Das
finden Sie also auch zu gewöhnlich? Müssten schon die Juwelen der russischen
Zarenfamilie sein, was?“ versuchte ich ihn aufzuziehen. „Ich muss schon sagen,
das ist interessant: Unbekannte haben in einem Straßenzug in Notting Hill die
Reifen von 24 Autos zerstochen, aber nur die der Marke MG. Da muss wohl jemand
einen besonderen Hass auf diese Marke entwickelt haben, oder es ist eine Aktion
von Agenten der Austin Corp., die ihre Konkurrenz lahm legen wollen!“
„Hastings,
Ihre Phantasie geht mal wieder mit Ihnen durch! Anstatt methodisch vorzugehen,
erfinden Sie lustige Theorien über die Verbrecherwelt, wie ein kleines Kind!
Ich weiß, Sie würden sich jetzt liebend gern auf diese Sachen stürzen, weil Sie
Aufregendes erwarten, aber diese Sachen sind so gewöhnlich, dass sie jeder
Beschreibung spotten!“
Ich nahm mir vor, meinen Freund nicht weiter mit diesen „Kleinigkeiten“ zu belästigen und widmete mich wieder meinem Lieblingsteil der Zeitung: Dem Sportteil.
Ich nahm mir vor, meinen Freund nicht weiter mit diesen „Kleinigkeiten“ zu belästigen und widmete mich wieder meinem Lieblingsteil der Zeitung: Dem Sportteil.
Kurze
Zeit später kam Miss Lemon herein und sagte: „Mr Poirot, wenn Sie mich jetzt
nicht mehr brauchen, gehe ich jetzt zu meiner wöchentlichen Fitness-Stunde.“
Poirot winkte nur ab. „Mr Poirot, es tut mir weh, Sie so trübsinnig dort sitzen
zu sehen. Ein wenig körperliche Ertüchtigung könnte Ihnen nicht schaden, kommen
Sie doch beim nächsten Mal einfach mit! Das bringt Sie auf andere Gedanken!“
Mein Freund schaute sie nur verächtlich an. „Poirot ist in ausgezeichneter
körperlicher Verfassung! Außerdem arbeite ich lieber hiermit!“ und tippte sich
dabei an den Kopf. „Dann bis morgen, die Herren“, sagte Miss Lemon, wobei sie
wie so oft die rechte Augenbraue hochzog.
II
Am
nächsten Tag begrüßte uns Miss Lemon fröhlich mit Poirots seltsamem Kräutertee
und schwärmte noch einmal von ihrer Fitness-Stunde. Noch bevor sie zu Ende
erzählt hatte, klingelte es und Miss Lemon machte die Tür auf. Sie verkündete
uns: „Mr Poirot, Sie haben Besuch. Hier ist eine Mrs Earnshaw. Sie ist sehr
aufgeregt, denn offenbar ist ihr Mann spurlos verschwunden!“
„Ist
er entführt worden?“ fragte Poirot
zurück. „Nein, er scheint einfach nur verschwunden zu sein.“
„Miss
Lemon, das hört sich nicht nach einem interessanten Fall für Poirot an!“ Miss
Lemon wollte gerade eine aufmunternde Bemerkung machen, aber in dem Moment
wurde sie einfach beiseite geschoben und zwar von der sehr aufgeregten Mrs Earnshaw.
„Mr Poirot, Sie müssen mir helfen! Mein Mann ist einfach weg, ohne eine
Nachricht zu hinterlassen. Die Polizei war schon da, aber ich habe kein
Vertrauen in diesen unfähigen Inspektor und deshalb bin ich zu Ihnen gekommen“,
platzte es aus ihr heraus.
„Beruhigen
Sie sich erst einmal, Mrs Ernshaw“, bat mein Freund in der für ihn typischen
höflichen Weise. „Und nehmen Sie doch Platz, s’il vous plaît.“ Mrs Earnshaw tat wie ihr geheißen. Trotz ihres
nervösen und besorgten Gebarens, wirkte sie äußerst attraktiv auf mich. Sie war
offensichtlich eine Frau in den besten Jahren und ihre geschmackvolle Kleidung
zeigte einen zeitlosen Stil, gleichwohl ich bemerkte, dass der Mantel schon oft
getragen worden war. Ihr Gesicht war bildhübsch trotz der fehlenden Schminke,
die sie wohl in ihrem hastigen Aufbruch vergessen hatte aufzutragen. In ihren
großen grünen Augen war die Aufregung deutlich zu sehen.
„Poirot
hört Ihnen zu“, verkündete er. „Jetzt erzählen Sie der Reihe nach, was sich
zugetragen hat“, bat er.
„Gut,
also gestern früh ging mein Mann wie immer ins Geschäft; er ist Goldschmied
müssen Sie wissen. Er hat seinen Laden am Covent Garden, ein ziemlich guter Standort, wie Sie sicher
wissen. Deshalb hat er auch oft gut zu tun und kommt abends erst spät zurück.
Aus dem Grund habe ich mir gestern Abend auch nicht viel dabei gedacht, als er
nicht zurück kam, und ich bin schon mal ins Bett gegangen. Heute Morgen habe
ich aber gemerkt, dass er die ganze Nacht weg war. Ich habe schon mit etwas
Schlimmem gerechnet, also bin ich los zu unserem Laden und da hab ich es
gesehen!“ Hier brach ihre Erzählung kurz ab.
„Was
haben Sie gesehen, Madame?“
ermunterte sie Poirot.
„Das
Blut! Ich bin nach hinten durchgegangen, in die Werkstatt, und da habe ich
gesehen, dass alles durcheinander war. Werkzeuge und Stühle lagen herum, wie
nach einem Kampf - und Blut war auch dran! Er ist bestimmt entführt worden, ich
weiß es!“
„Gibt
es denn schon eine Lösegeldforderung?“ fragte Poirot. „Nein, bis jetzt nicht.
Aber es kann keinen anderen Grund für sein Verschwinden geben, hören Sie! Mein
Mann hat mir bis jetzt nichts verschwiegen. Wenn er wusste, dass er irgendwo hin
musste, hat er es mir auch immer vorher gesagt.“
„Nun,
vielleicht kommt der Brief mit der Forderung sehr bald. Darf ich fragen: Hatte Ihr
Mann Feinde? Gibt es jemanden, dem Sie diese Tat zutrauen?“
„Nein,
ich wüsste nicht, wer das getan haben sollte und auch nicht warum. Mein Mann
ist der liebste Mensch der Welt und besonders reich sind wir auch nicht. Nur
weil er Gold und Diamanten verarbeitet, heißt das doch nicht, dass er selbst
viel besitzt!“ Ihre Augen füllten sich schon mit Tränen. Ich bot ihr schnell
ein Taschentuch an, aber sie lehnte dankend ab. „Leider gibt es immer wieder
Kriminelle, die genau das denken“, sagte ich. „Wurde denn etwas gestohlen?“
„Ja,
ich denke schon. In den Schaufensterauslagen sah es aus wie immer, aber im
hinteren Teil standen einige Schränke offen, da könnte was fehlen. Oh, ich war
viel zu aufgeregt, um darauf zu achten.“
„War
die Ladentür verschlossen, als Sie gestern nachsehen kamen?“
„Nein,
sie war nicht abgeschlossen, aber das Schild war auf ‚geschlossen’ gedreht.“
„Nun,
ich glaube Ihnen, Mrs Ernshaw. Es ist gut möglich, dass Ihr Mann tatsächlich
entführt worden ist und ich möchte Ihnen helfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich mir Ihr
Geschäft selbst ansehen.“
„Ja, natürlich! Und vielen Dank, Mr Poirot!“
„Kommen
Sie, Hastings, wir machen einen Ausflug nach Covent Garden.“
Als
wir den Juwelierladen am Covent Garden betraten, sahen wir, dass Mrs Ernshaw
recht hatte: Man sah von außen tatsächlich nicht, dass hier ein Mann entführt
und ausgeraubt worden sein sollte. Vor dem Geschäft stand ein Polizist, der uns
nach unserem Begehren fragte. Mrs Ernshaw erklärte, dass sie die Frau des
Ladeninhabers sei und mit Mr Poirot den Tatort noch einmal ansehen wolle. Der
Polizist rief in den Laden: “Chief Inspektor, Mrs Ernshaw ist hier!“ Und zu
unserer Überraschung kam uns kein Geringerer als unser alter Freund Japp
entgegen. „Guten Tag, Mrs Ernshaw. Entschuldigen Sie, dass mein Kollege, mit
dem Sie heute gesprochen haben, so abweisend zu Ihnen war. Ihn interessierten
in erster Linie Ihre Bestände an Diamanten, nehme ich an. Gestern ist aus dem
Syon House eine Brillantkette geraubt worden und in solch einem Fall werden die
Juweliere der Stadt dahingehend überprüft, ob sie jene gekauft haben. Ich habe den Fall
jetzt übernommen. Wir werden Ihren Mann suchen. Das verspreche ich Ihnen!
Poirot!
Schön, Sie mal wieder zu sehen! Hätte mich auch gewundert, wenn Sie sich einen
solchen Fall entgehen lassen würden. Kommen Sie mit, bestimmt wollen Sie sich ein Bild
von der Szene machen.“
„Sehr
gerne, mon ami, es freut mich ebenfalls, dass wir offensichtlich wieder
einen Fall zusammen bearbeiten werden!“ antwortete er überschwänglich.
Wir
wurden direkt in die Werkstatt geführt, wo es genau so aussah, wie wir sie uns vorgestellt
hatten. Der Stuhl war umgeworfen worden und lag vielleicht zwei Meter vom
Arbeitstisch entfernt. Auf dem Tisch sah es recht chaotisch aus. Die
Feinwerkzeuge lagen wild verstreut, nicht so, wie man es von einem Mann erwarten
würde, der sehr sorgsam bei seinen Arbeiten vorgehen muss. Das Auffälligste war
aber tatsächlich das Blut. Es lag in vielen kleinen Flecken auf dem Boden, an
der Stuhllehne klebte etwas und an der Schreibtischkante war auch eine rote
Spur zu sehen, die aber so aussah, als hätte man versucht sie wegzuwischen. Mrs
Earnshaws Gesicht schien bei diesem Anblick wieder etwas blasser geworden zu
sein. Poirot sah sich alles sehr aufmerksam an. Er umrundete den Tisch einmal,
wobei er sehr darauf achtete, nichts zu berühren. Dann ging er in die Knie, um
die Spuren am Stuhl genauer zu untersuchen.
Er schnüffelte. Er verzog das
Gesicht und murmelte: „Très curieux.“ Er ging gebückt auf dem Boden weiter, immer den
Blutstropfen entlang. „Scheint einen ganz netten Schlag abbekommen zu haben“, meinte Japp, als er Poirot
herumkriechen sah. „Aber es gibt nur hier Blut, nicht im Laden. Was auch immer
das für eine Wunde war, sie wurde verbunden, bevor er aus dem Laden gebracht
wurde.“
„Wurde
noch etwas gestohlen? Könnten Sie das bitte nachprüfen?“ fragte Poirot. Die
Ladenbesitzerin ging mit prüfendem Blick die Vitrinen ab, zog Schubladen auf
und öffnete alle Schränke im Verkaufsraum und meinte: „Nein, es scheint alles
da zu sein, soweit ich das sagen kann.“
„Seltsam,
wieso lässt sich einer so was entgehen? Offensichtlich ist es den Entführern
nicht um Geld gegangen… Arbeitete Ihr Mann gerade an einem speziellen Projekt?“
„Sie
meinen, ob er gerade etwas besonders wertvolles für einen Adeligen anfertigte?
Nein, ich glaube er arbeitete gerade an einer neuen Kollektion, die er bald
herausbringen wollte, aber ohne jeden Auftrag.“
„Was wissen Sie über diese
Kollektion?“
„Nicht viel… Er wollte eine
neue Kette, Armreifen und Ringe machen. Das hat er öfter mal gemacht. Er wollte
der Konkurrenz in Sachen Design immer einen Schritt voraus sein. Auf die Ringe
war er besonders stolz. Er meinte << Diese Ringe werden alle Damen, die
etwas auf sich halten, tragen wollen, und nicht nur die aus London, das
verspreche ich Dir!>> Sie sollten mit Diamanten besetzt sein, die
mindestens ein halbes Karat haben. Ein Ring sollte – glaube ich – mindestens 50
£ kosten.“
„Das ist schon eine schöne
Stange Geld“, meinte ich verblüfft. „Was ist mit dem Gold?“
„Es ist schon bestellt
worden, aber noch nicht angekommen. Hier ist die Bestellung von der Londoner Börse.“
„Hmmm. 600 g Gelbgold, 14
Karat. Das ist jetzt auch nicht so eine riesige Menge und das reinste Gold ist
es auch nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der Grund für die
Entführung ist, was meinen Sie, Poirot?“ fragte ich. Mein Freund, der schon
seit einer Weile in Gedanken versunken war, schüttelte nur den Kopf.
„Unwahrscheinlich! Madame, welche Blutgruppe hat Ihr Mann?“ fragte er
unvermittelt.
„A negativ, genau wie ich,
warum fragen Sie?“ gab Mrs Earnshaw überrascht zurück.
„Ich will nur sicher gehen,
Madame. Chief Inspektor, Sie untersuchen doch das Blut, das unglücklicherweise
in diesem Raum vergossen wurde, oder?“
„Ja, sicher! Aber glauben
Sie, es ist nicht von Earnshaw? So wie das hier aussieht, muss es doch von ihm
sein.“
„Vielleicht“, sagte Poirot
nachdenklich. „Warten wir’s ab.“
„Was ich mich die ganze
Zeit frage: Der Covent Garden ist auch später am Abend einer der belebtesten
Plätze in ganz London. Gibt es denn keine Zeugen für die Entführung?“ fragte
ich.
„Wir werden auf jeden Fall alle benachbarten Ladeninhaber und Wirte
befragen. Allerdings laufen Entführungen nicht immer gewaltsam ab, wissen Sie?
Es ist selten so, dass irgendwelche schwarz vermummten Gestalten einen gefesselten
Mann zu einem wartenden Wagen zerren und dann davonbrausen oder einen betäubten
Mann in einem Sack schleppen. Es ist wahrscheinlicher, dass das Opfer langsam
vor seinen Entführern hergehen muss und diese mit gut versteckter Pistole folgen“,
gab Chief Inspektor Japp zu bedenken.
„Aber das Blut! Meinen Sie,
nach einem Kampf, bei dem mein Mann anscheinend blutig geschlagen wurde, läuft
er noch normal und unauffällig vor seinem Entführer her?“ warf Mrs Earnshaw
ein.
„Ja, da haben Sie
allerdings Recht, das würde nicht zusammen passen“, meinte Chief Inspektor Japp
anerkennend. „Sergeant Egg, befragen Sie alle Ladeninhaber, von deren Läden man
etwas gesehen haben könnte. Und vor allem die Gastwirte, es könnte ja schon
spät gewesen sein, als er entführt wurde. Wir werden außerdem die
standardmäßigen Vermisstenanzeigen aushängen.“
„Entführungsanzeigen müsste
es ja wohl heißen!“ rief Mrs Earnshaw dazwischen.
„Ja-a, natürlich!“ meinte
der Chief Inspektor zögernd.
Ich
schaute mich derweil um und bemerkte, dass man durch die Scheiben wunderbar den
ganzen Markt betrachten konnte. Wahrscheinlich konnte man auch umgekehrt gut in
den Laden schauen und sehen, wann der Inhaber allein dort ist. Plötzlich kam
mir eine ganz andere Frage in den Sinn.
„Mrs
Earnshaw, wie ist Ihr Mann eigentlich jeden Tag zur Arbeit gekommen?“
„Mit
seinem Auto. Ach ja, es müsste hier ganz in der Nähe stehen. Vielleicht schauen
Sie es sich einfach mal an, wenn es hilft.“
„Das
könnte aufschlussreich sein“, warf Poirot ein.
Mrs
Earnshaw führte uns zu dem Auto ihres Mannes, das nur wenige Fußminuten
entfernt in einer Seitenstraße parkte. Es war ein kleiner alter Austin Seven und mir fiel sofort der Schlamm an den Reifen auf.
Abgesehen davon, dass der Wagen eine Wäsche nötige hatte, war er aber gut in
Schuss, befand ich. Die Handschuhe befanden sich ordnungsgemäß im
Handschuhfach, ein Bild von seiner Frau auf dem Armaturenbrett. Poirot
untersuchte den Wagen sehr genau, fand aber nichts Verdächtiges. „Gut, wir
haben hier alles gesehen, denke ich!“ sagte er unvermittelt.
Da
wir jetzt erst mal nichts weiter tun konnten, verabschiedeten wir uns von Japp
und Mrs Earnshaw, versprachen in Kontakt zu bleiben und fuhren in Poirots
Wohnung zurück. Die ganze Fahrt über war mein Freund in tiefes Nachsinnen
versunken. Erst, als wir schon wieder in seiner Wohnung saßen, fing er an über
den Fall zu sprechen. „Ein äußerst interessanter Fall, Hastings! Wir haben eine
Entführung, wir haben Blut, Gold, Diamanten, die aber nicht gestohlen wurden…“
„Aber
noch keine Verdächtigen oder Anhaltspunkte“, bemerkte ich verdrossen.
... Fortsetzung folgt!!!! ;-)
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