Dienstag, 6. März 2012

Michael Michael: Poirot-Krimi - Gezinkte Karten (1)


Prolog

Dichter Nebel wallt an diesem trüben Novemberabend über dem alten Landgut. Die Sonne würde in ein paar Minuten ganz untergehen, wenn man sie überhaupt gesehen hätte. Der Nebel ist so dicht, dass er die Geräusche dämpft, die Luft ist regungslos. Schritte knarzen durch die Nacht, als jemand den Kiesweg zum Schweinestall schreitet. Eine Tür quietscht leise. Als sie sich öffnet, wird sie sofort wieder geschlossen. Ein Streichholz flammt auf und eine Kerze wird entzündet. Ein Päckchen raschelt, woraufhin einige Schweine erwartungsvoll grunzen. Doch auch dieses Geräusch verstummt bald wieder. Im flackernden Kerzenschein sind einige neugierige Schweineköpfe zu sehen. Wieder Schritte. Kurz darauf noch einmal ein kurzes markerschütterndes Quieken, dann wieder Stille. Die Kerze verlischt, die Tür wird wieder geöffnet und absolut unauffällige Schritte entfernen sich wieder vom Schweinestall. Nach kurzer Zeit verklingen auch sie im Nebel.

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I

Hercule Poirot saß mit geschlossenen Augen auf seinem Schreibtischstuhl in seinem Büro und hörte mir zu, während ich ihm die neusten Meldungen aus der Times vorlas. Schon lange hatte er keinen interessanten Fall mehr bearbeiten dürfen, und ich machte mir Sorgen um ihn. Seine kleinen grauen Zellen waren bestimmt hoffnungslos unterfordert und obwohl er es nie zugeben würde, litt er sehr darunter. Ich versuchte ihn aufzuheitern, indem ich die interessantesten Verbrechen des Tages vorlas. Natürlich hoffte ich, dass er sich genug für eins dieser Verbrechen begeistern könnte, und so zu alter Form zurück finden würde.
„Hier Poirot, ein Hafenarbeiter ist tot in der Themse gefunden worden. Sein Kopf wies eine furchtbare Verletzung auf, sodass man erst dachte, er wäre dadurch gestorben, bis man den Messerstich im Brustkorb bemerkte. Sieht ganz nach einem heimtückischen Mord aus! Was halten Sie davon?“ „Nein, Hastings, das ist ein so abgedroschenes Verbrechen. Es enthält kein Element, was einen Poirot interessiert. Mit so etwas gebe  ich mich nicht ab.“ 
Seine Eitelkeit war in Situationen wie dieser immer besonders schlimm. Aber ich betrachtete es als sportliche Herausforderung, ihn wieder in Form zu kriegen. 
„Im Syon House sind Juwelen gestohlen worden. Sie sollen einen Wert von über 5000 Pfund haben. Der Nachtwächter scheint betäubt worden zu sein, der Dieb hat aber nur eine einzige Kette gestohlen. Sie war mit 99 Brillianten besetzt. Aber es war bei weitem nicht das wertvollste Stück der Sammlung. Seltsam, nicht?“
„Finden Sie?“ antwortete Poirot lakonisch. „Juwelen werden alle Nase lang gestohlen und meistens tauchen sie ganz schnell wieder auf, wenn der Dieb versucht, das wertvolle Geschmeide zu Geld zu machen. Wo könnte er sie schon loswerden? Die Juweliere wissen schon von wem sie Brillanten beziehen können. Ausgenommen die schwarzen Schafe, aber die hat Poirot hier in London schon alle überführt. Ich hoffe nur, dieser Dieb ist etwas schlauer!“
„Das finden Sie also auch zu gewöhnlich? Müssten schon die Juwelen der russischen Zarenfamilie sein, was?“ versuchte ich ihn aufzuziehen. „Ich muss schon sagen, das ist interessant: Unbekannte haben in einem Straßenzug in Notting Hill die Reifen von 24 Autos zerstochen, aber nur die der Marke MG. Da muss wohl jemand einen besonderen Hass auf diese Marke entwickelt haben, oder es ist eine Aktion von Agenten der Austin Corp., die ihre Konkurrenz lahm legen wollen!“
„Hastings, Ihre Phantasie geht mal wieder mit Ihnen durch! Anstatt methodisch vorzugehen, erfinden Sie lustige Theorien über die Verbrecherwelt, wie ein kleines Kind! Ich weiß, Sie würden sich jetzt liebend gern auf diese Sachen stürzen, weil Sie Aufregendes erwarten, aber diese Sachen sind so gewöhnlich, dass sie jeder Beschreibung spotten!“ 
Ich nahm mir vor, meinen Freund nicht weiter mit diesen „Kleinigkeiten“ zu belästigen und widmete mich wieder meinem Lieblingsteil der Zeitung: Dem Sportteil.
Kurze Zeit später kam Miss Lemon herein und sagte: „Mr Poirot, wenn Sie mich jetzt nicht mehr brauchen, gehe ich jetzt zu meiner wöchentlichen Fitness-Stunde.“ Poirot winkte nur ab. „Mr Poirot, es tut mir weh, Sie so trübsinnig dort sitzen zu sehen. Ein wenig körperliche Ertüchtigung könnte Ihnen nicht schaden, kommen Sie doch beim nächsten Mal einfach mit! Das bringt Sie auf andere Gedanken!“ Mein Freund schaute sie nur verächtlich an. „Poirot ist in ausgezeichneter körperlicher Verfassung! Außerdem arbeite ich lieber hiermit!“ und tippte sich dabei an den Kopf. „Dann bis morgen, die Herren“, sagte Miss Lemon, wobei sie wie so oft die rechte Augenbraue hochzog.


II

Am nächsten Tag begrüßte uns Miss Lemon fröhlich mit Poirots seltsamem Kräutertee und schwärmte noch einmal von ihrer Fitness-Stunde. Noch bevor sie zu Ende erzählt hatte, klingelte es und Miss Lemon machte die Tür auf. Sie verkündete uns: „Mr Poirot, Sie haben Besuch. Hier ist eine Mrs Earnshaw. Sie ist sehr aufgeregt, denn offenbar ist ihr Mann spurlos verschwunden!“
„Ist er entführt worden?“ fragte  Poirot zurück. „Nein, er scheint einfach nur verschwunden zu sein.“
„Miss Lemon, das hört sich nicht nach einem interessanten Fall für Poirot an!“ Miss Lemon wollte gerade eine aufmunternde Bemerkung machen, aber in dem Moment wurde sie einfach beiseite geschoben und zwar von der sehr aufgeregten Mrs Earnshaw. „Mr Poirot, Sie müssen mir helfen! Mein Mann ist einfach weg, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Die Polizei war schon da, aber ich habe kein Vertrauen in diesen unfähigen Inspektor und deshalb bin ich zu Ihnen gekommen“, platzte es aus ihr heraus.
„Beruhigen Sie sich erst einmal, Mrs Ernshaw“, bat mein Freund in der für ihn typischen höflichen Weise. „Und nehmen Sie doch Platz, s’il vous plaît.“ Mrs Earnshaw tat wie ihr geheißen. Trotz ihres nervösen und besorgten Gebarens, wirkte sie äußerst attraktiv auf mich. Sie war offensichtlich eine Frau in den besten Jahren und ihre geschmackvolle Kleidung zeigte einen zeitlosen Stil, gleichwohl ich bemerkte, dass der Mantel schon oft getragen worden war. Ihr Gesicht war bildhübsch trotz der fehlenden Schminke, die sie wohl in ihrem hastigen Aufbruch vergessen hatte aufzutragen. In ihren großen grünen Augen war die Aufregung deutlich zu sehen.
„Poirot hört Ihnen zu“, verkündete er. „Jetzt erzählen Sie der Reihe nach, was sich zugetragen hat“, bat er.
„Gut, also gestern früh ging mein Mann wie immer ins Geschäft; er ist Goldschmied müssen Sie wissen. Er hat seinen Laden am Covent Garden,  ein ziemlich guter Standort, wie Sie sicher wissen. Deshalb hat er auch oft gut zu tun und kommt abends erst spät zurück. Aus dem Grund habe ich mir gestern Abend auch nicht viel dabei gedacht, als er nicht zurück kam, und ich bin schon mal ins Bett gegangen. Heute Morgen habe ich aber gemerkt, dass er die ganze Nacht weg war. Ich habe schon mit etwas Schlimmem gerechnet, also bin ich los zu unserem Laden und da hab ich es gesehen!“ Hier brach ihre Erzählung kurz ab.

„Was haben Sie gesehen, Madame?“ ermunterte sie Poirot.
„Das Blut! Ich bin nach hinten durchgegangen, in die Werkstatt, und da habe ich gesehen, dass alles durcheinander war. Werkzeuge und Stühle lagen herum, wie nach einem Kampf - und Blut war auch dran! Er ist bestimmt entführt worden, ich weiß es!“
„Gibt es denn schon eine Lösegeldforderung?“ fragte Poirot. „Nein, bis jetzt nicht. Aber es kann keinen anderen Grund für sein Verschwinden geben, hören Sie! Mein Mann hat mir bis jetzt nichts verschwiegen. Wenn er wusste, dass er irgendwo hin musste, hat er es mir auch immer vorher gesagt.“
„Nun, vielleicht kommt der Brief mit der Forderung sehr bald. Darf ich fragen: Hatte Ihr Mann Feinde? Gibt es jemanden, dem Sie diese Tat zutrauen?“
„Nein, ich wüsste nicht, wer das getan haben sollte und auch nicht warum. Mein Mann ist der liebste Mensch der Welt und besonders reich sind wir auch nicht. Nur weil er Gold und Diamanten verarbeitet, heißt das doch nicht, dass er selbst viel besitzt!“ Ihre Augen füllten sich schon mit Tränen. Ich bot ihr schnell ein Taschentuch an, aber sie lehnte dankend ab. „Leider gibt es immer wieder Kriminelle, die genau das denken“, sagte ich. „Wurde denn etwas gestohlen?“
„Ja, ich denke schon. In den Schaufensterauslagen sah es aus wie immer, aber im hinteren Teil standen einige Schränke offen, da könnte was fehlen. Oh, ich war viel zu aufgeregt, um darauf zu achten.“
„War die Ladentür verschlossen, als Sie gestern nachsehen kamen?“
„Nein, sie war nicht abgeschlossen, aber das Schild war auf ‚geschlossen’ gedreht.“
„Nun, ich glaube Ihnen, Mrs Ernshaw. Es ist gut möglich, dass Ihr Mann tatsächlich entführt worden ist und ich möchte Ihnen helfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich mir Ihr Geschäft selbst ansehen.“
„Ja, natürlich! Und vielen Dank, Mr Poirot!“
„Kommen Sie, Hastings, wir machen einen Ausflug nach Covent Garden.“

Als wir den Juwelierladen am Covent Garden betraten, sahen wir, dass Mrs Ernshaw recht hatte: Man sah von außen tatsächlich nicht, dass hier ein Mann entführt und ausgeraubt worden sein sollte. Vor dem Geschäft stand ein Polizist, der uns nach unserem Begehren fragte. Mrs Ernshaw erklärte, dass sie die Frau des Ladeninhabers sei und mit Mr Poirot den Tatort noch einmal ansehen wolle. Der Polizist rief in den Laden: “Chief Inspektor, Mrs Ernshaw ist hier!“ Und zu unserer Überraschung kam uns kein Geringerer als unser alter Freund Japp entgegen. „Guten Tag, Mrs Ernshaw. Entschuldigen Sie, dass mein Kollege, mit dem Sie heute gesprochen haben, so abweisend zu Ihnen war. Ihn interessierten in erster Linie Ihre Bestände an Diamanten, nehme ich an. Gestern ist aus dem Syon House eine Brillantkette geraubt worden und in solch einem Fall werden die Juweliere der Stadt dahingehend überprüft, ob sie jene gekauft haben. Ich habe den Fall jetzt übernommen. Wir werden Ihren Mann suchen. Das verspreche ich Ihnen!
Poirot! Schön, Sie mal wieder zu sehen! Hätte mich auch gewundert, wenn Sie sich einen solchen Fall entgehen lassen würden. Kommen Sie mit, bestimmt wollen Sie sich ein Bild von der Szene machen.“
„Sehr gerne, mon ami, es freut mich ebenfalls, dass wir offensichtlich wieder einen Fall zusammen bearbeiten werden!“ antwortete er überschwänglich.

Wir wurden direkt in die Werkstatt geführt, wo es genau so aussah, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Der Stuhl war umgeworfen worden und lag vielleicht zwei Meter vom Arbeitstisch entfernt. Auf dem Tisch sah es recht chaotisch aus. Die Feinwerkzeuge lagen wild verstreut, nicht so, wie man es von einem Mann erwarten würde, der sehr sorgsam bei seinen Arbeiten vorgehen muss. Das Auffälligste war aber tatsächlich das Blut. Es lag in vielen kleinen Flecken auf dem Boden, an der Stuhllehne klebte etwas und an der Schreibtischkante war auch eine rote Spur zu sehen, die aber so aussah, als hätte man versucht sie wegzuwischen. Mrs Earnshaws Gesicht schien bei diesem Anblick wieder etwas blasser geworden zu sein. Poirot sah sich alles sehr aufmerksam an. Er umrundete den Tisch einmal, wobei er sehr darauf achtete, nichts zu berühren. Dann ging er in die Knie, um die Spuren am Stuhl genauer zu untersuchen. 
Er schnüffelte. Er verzog das Gesicht und murmelte: Très curieux.“ Er ging gebückt auf dem Boden weiter, immer den Blutstropfen entlang. „Scheint einen ganz netten Schlag abbekommen zu  haben“, meinte Japp, als er Poirot herumkriechen sah. „Aber es gibt nur hier Blut, nicht im Laden. Was auch immer das für eine Wunde war, sie wurde verbunden, bevor er aus dem Laden gebracht wurde.“

„Wurde noch etwas gestohlen? Könnten Sie das bitte nachprüfen?“ fragte Poirot. Die Ladenbesitzerin ging mit prüfendem Blick die Vitrinen ab, zog Schubladen auf und öffnete alle Schränke im Verkaufsraum und meinte: „Nein, es scheint alles da zu sein, soweit ich das sagen kann.“
„Seltsam, wieso lässt sich einer so was entgehen? Offensichtlich ist es den Entführern nicht um Geld gegangen… Arbeitete Ihr Mann gerade an einem speziellen Projekt?“
„Sie meinen, ob er gerade etwas besonders wertvolles für einen Adeligen anfertigte? Nein, ich glaube er arbeitete gerade an einer neuen Kollektion, die er bald herausbringen wollte, aber ohne jeden Auftrag.“
„Was wissen Sie über diese Kollektion?“
„Nicht viel… Er wollte eine neue Kette, Armreifen und Ringe machen. Das hat er öfter mal gemacht. Er wollte der Konkurrenz in Sachen Design immer einen Schritt voraus sein. Auf die Ringe war er besonders stolz. Er meinte << Diese Ringe werden alle Damen, die etwas auf sich halten, tragen wollen, und nicht nur die aus London, das verspreche ich Dir!>>  Sie sollten mit Diamanten besetzt sein, die mindestens ein halbes Karat haben. Ein Ring sollte – glaube ich – mindestens 50 £ kosten.“
„Das ist schon eine schöne Stange Geld“, meinte ich verblüfft. „Was ist mit dem Gold?“
„Es ist schon bestellt worden, aber noch nicht angekommen. Hier ist die Bestellung von der Londoner Börse.“
„Hmmm. 600 g Gelbgold, 14 Karat. Das ist jetzt auch nicht so eine riesige Menge und das reinste Gold ist es auch nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der Grund für die Entführung ist, was meinen Sie, Poirot?“ fragte ich. Mein Freund, der schon seit einer Weile in Gedanken versunken war, schüttelte nur den Kopf. „Unwahrscheinlich! Madame, welche Blutgruppe hat Ihr Mann?“ fragte er unvermittelt.
„A negativ, genau wie ich, warum fragen Sie?“ gab Mrs Earnshaw überrascht zurück.
„Ich will nur sicher gehen, Madame. Chief Inspektor, Sie untersuchen doch das Blut, das unglücklicherweise in diesem Raum vergossen wurde, oder?“
„Ja, sicher! Aber glauben Sie, es ist nicht von Earnshaw? So wie das hier aussieht, muss es doch von ihm sein.“
„Vielleicht“, sagte Poirot nachdenklich. „Warten wir’s ab.“

„Was ich mich die ganze Zeit frage: Der Covent Garden ist auch später am Abend einer der belebtesten Plätze in ganz London. Gibt es denn keine Zeugen für die Entführung?“ fragte ich. 
„Wir werden auf jeden Fall alle benachbarten Ladeninhaber und Wirte befragen. Allerdings laufen Entführungen nicht immer gewaltsam ab, wissen Sie? Es ist selten so, dass irgendwelche schwarz vermummten Gestalten einen gefesselten Mann zu einem wartenden Wagen zerren und dann davonbrausen oder einen betäubten Mann in einem Sack schleppen. Es ist wahrscheinlicher, dass das Opfer langsam vor seinen Entführern hergehen muss und diese mit gut versteckter Pistole folgen“, gab Chief Inspektor Japp zu bedenken.
„Aber das Blut! Meinen Sie, nach einem Kampf, bei dem mein Mann anscheinend blutig geschlagen wurde, läuft er noch normal und unauffällig vor seinem Entführer her?“ warf Mrs Earnshaw ein.
„Ja, da haben Sie allerdings Recht, das würde nicht zusammen passen“, meinte Chief Inspektor Japp anerkennend. „Sergeant Egg, befragen Sie alle Ladeninhaber, von deren Läden man etwas gesehen haben könnte. Und vor allem die Gastwirte, es könnte ja schon spät gewesen sein, als er entführt wurde. Wir werden außerdem die standardmäßigen Vermisstenanzeigen aushängen.“
„Entführungsanzeigen müsste es ja wohl heißen!“ rief Mrs Earnshaw dazwischen.
„Ja-a, natürlich!“ meinte der Chief Inspektor zögernd.

Ich schaute mich derweil um und bemerkte, dass man durch die Scheiben wunderbar den ganzen Markt betrachten konnte. Wahrscheinlich konnte man auch umgekehrt gut in den Laden schauen und sehen, wann der Inhaber allein dort ist. Plötzlich kam mir eine ganz andere Frage in den Sinn.
„Mrs Earnshaw, wie ist Ihr Mann eigentlich jeden Tag zur Arbeit gekommen?“
„Mit seinem Auto. Ach ja, es müsste hier ganz in der Nähe stehen. Vielleicht schauen Sie es sich einfach mal an, wenn es hilft.“
„Das könnte aufschlussreich sein“, warf Poirot ein.
Mrs Earnshaw führte uns zu dem Auto ihres Mannes, das nur wenige Fußminuten entfernt in einer Seitenstraße parkte. Es war ein kleiner alter Austin Seven und mir fiel sofort der Schlamm an den Reifen auf. Abgesehen davon, dass der Wagen eine Wäsche nötige hatte, war er aber gut in Schuss, befand ich. Die Handschuhe befanden sich ordnungsgemäß im Handschuhfach, ein Bild von seiner Frau auf dem Armaturenbrett. Poirot untersuchte den Wagen sehr genau, fand aber nichts Verdächtiges. „Gut, wir haben hier alles gesehen, denke ich!“ sagte er unvermittelt.

Da wir jetzt erst mal nichts weiter tun konnten, verabschiedeten wir uns von Japp und Mrs Earnshaw, versprachen in Kontakt zu bleiben und fuhren in Poirots Wohnung zurück. Die ganze Fahrt über war mein Freund in tiefes Nachsinnen versunken. Erst, als wir schon wieder in seiner Wohnung saßen, fing er an über den Fall zu sprechen. „Ein äußerst interessanter Fall, Hastings! Wir haben eine Entführung, wir haben Blut, Gold, Diamanten, die aber nicht gestohlen wurden…“
„Aber noch keine Verdächtigen oder Anhaltspunkte“, bemerkte ich verdrossen. 
„So wie es aussieht, bleibt uns nicht viel anderes übrig als zu warten, bis der Entführer sich meldet, und seine Forderung stellt, oder Japp mit einer Neuigkeit kommt.“

... Fortsetzung folgt!!!! ;-)

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